| Der Zyklus Östradiol und Progesteron sind die beiden Hormone, die in den Eierstöcken allmonatlich produziert werden. Während der Menstruation sinkt ihr messbarer Wert im Blut stark ab. Dieser niedrige Pegel wird im Blutgefäßsystem registriert und als Information weitergeleitet zum Gehirn. Dort befindet sich als Teil des Zwischenhirns der Hypothalamus. Er fungiert als oberster Wächter der meisten hormonellen Kreisläufe im Körper. Es gehört zu den Aufgaben des Hypothalamus stets ein bestimmtes Niveau von Östradiol und Progesteron im Blut aufrecht zu erhalten. Da die entsprechenden Werte zur Blutungszeit gegen Null tendieren, gibt er seiner Partnerin, der Hypophyse (auch als Hirnanhangdrüse bezeichnet) den Befehl ihrerseits tätig zu werden. Sie schüttet die so genannten Gonadotropine aus. Dies sind Hormone, die auf die Gonaden, also auf die Keimdrüsen (Eierstöcke) einwirken. Zuerst wird FSH (follikelstimulierendes Hormon) ausgesandt. Es wandert über den Blutweg zu den Eierstöcken und sorgt dafür, dass dort das Wachstum von Eizellen beginnt. Eine Eizelle ist von einem Eibläschen umgeben, das sie ernährt und schützt. Beide zusammen werden als Follikel bezeichnet. Dieser wachsende Follikel produziert das Hormon Östradiol. |
|
|
Wenn die Eizelle während ihrer Wanderung durch den Eileiter nicht befruchtet wurde, sinkt etwa 12 - 14 Tage nach dem Eisprung die Produktion von Östradiol und Progesteron wieder ab, die Gebärmutterschleimhaut wird nicht mehr genährt und der Gelbkörper bildet sich zurück. Die Blutung setzt ein. Der Menstruationsfluss enthält Teile der Gebärmutterschleimhaut und Blut.
Während der Blutung wird die dickere oberflächige Schicht (Stratum funktionalis) der Schleimhaut abgestoßen, die darunter liegende Schicht (Stratum basalis) bleibt bestehen, damit sich im nächsten Zyklus wieder eine neue Schleimhaut entwickeln kann. Ein neuer Follikel beginnt zu wachsen und Östradiol zu bilden. Die Gebärmutterschleimhaut wird erneut aufgebaut und der Zyklus beginnt von vorne.
Die Pille
Im Verlauf eines natürlichen Zyklus sind die Hormone in ihrer Konstellation normalen Schwankungen unterworfen. Ihre Werte variieren täglich.
Über die Einnahme der Pille wird dem Körper eine stets gleich bleibende Menge an Hormonen (Östrogene und Gestagene) zugeführt. So wird dem Hypothalamus vorgegaukelt, dass alles in bester Ordnung sei. Dadurch wird verhindert, dass er die Hypophyse zur Produktion von Gonadotropinen anregt. So reifen in den Eierstöcken keine Eizellen und es findet kein Eisprung statt.
Während des regelmäßigen Pausierens mit der Pilleneinnahme kommt es zur Abbruchblutung der Gebärmutterschleimhaut.
Das praemenstruelle Syndrom
Progesteron balanciert normalerweise die physiologischen Wirkungen von Östradiol aus. Wenn Östradiol jedoch im Körper überproportional stark vertreten ist, kommt es zu Beschwerden wie Wassereinlagerungen, Brustschwellungen, Stimmungsschwankungen und Gewichtszunahme. Außerdem kann die Blutung verfrüht einsetzen.
Was aber können die Ursachen für eine überwiegende Wirkung von Östradiol sein?
Bei einer Schwäche des Gelbkörpers kommt es nur zu einer defizitären Produktion von Progesteron, so dass die Gebärmutterschleimhaut nicht adäquat aufgelockert werden kann. Ist dies der Fall, kann die menstruelle Schleimhautablösung Schmerzen hervorrufen.
Hinweise auf eine Gelbkörperschwäche gibt die Basaltemperaturkurve: Nach dem Eisprung steigt die Temperatur hier nur langsam und treppenförmig an. Wenn sich der Gelbkörper jedoch normal entwickelt hat, steigt die Basaltemperatur um 0,4 – 0,6 Grad und bleibt bis zur Menstruation dann auf ihrem erhöhten Niveau.
Ein Zyklus in dem gar kein Eisprung stattfindet, führt dazu, dass nur Östradiol produziert wird, da ein Gelbkörper, der Progesteron herstellen würde, nicht existiert. Hier gibt es keinen Temperaturanstieg zu verzeichnen.
Aber auch externe Faktoren tragen dazu bei, dass Östradiol sehr oft das dominantere Hormon im Körper ist.
Östrogenisierung durch Umwelteinflüsse
Es gibt eine Reihe von Schadstoffen, die so genannte Pseudoöstrogene enthalten. Dieser Begriff ist entstanden, weil bestimmte Substanzen sich im Körper wie Östrogene verhalten. Sie lösen also Reaktionen aus, die sonst nur durch das echte Hormon entstehen würden. Chemikalien, die in das Hormonsystem eingreifen sind allgegenwärtig. Von Kontaktlinsenflüssigkeiten, Benzin, Zahnfüllungen, Innenbeschichtungen von Konservendosen, bis zu Klebstoffen und Plastikfolien. Vor allem aber sind Pestizide, PCB (am höchsten noch immer in küstennah lebenden Fischarten vorhanden), Insektizide und Lösungsmittel zu nennen. Die Substanzen werden über Nahrung und Atemluft aufgenommen und vorzugsweise im Fettgewebe gespeichert. Hinzu kommt noch, dass alle Frauen, die die Pille und Wechseljahreshormone einnehmen, die darin enthaltenen Östrogene ausscheiden. Diese können, selbst über mehrere Klärstufen hinweg nicht im Klärwerk abgebaut werden. Sie gelangen zurück in den Haushalt, in unser Trinkwasser. Landwirtschaftliche Produkte werden mit östrogenhaltigem Wasser gegossen und landen auf unseren Tellern. Außerdem darf nicht vergessen werden, dass auch Fleisch in den meisten Fällen Hormone zugesetzt werden, da diese zu Mastzwecken mit verfüttert werden. Für eine Östrogendominanz, die praemenstruelle Beschwerden auslösen kann, gibt es also genügend, sowohl körpereigene als auch extern begründete Ursaschen.
Die Hormonanalyse
Ursachen für zyklische Beschwerden müssen stets individuell gesucht werden. Die körperlich empfundenen Symptome in die Beurteilung mit ein zu beziehen, ist ebenso wichtig wie die Ergebnisse der Blutentnahmen, die die exakte Konzentration der Hormone ermitteln. Sinnvoll sind Blutentnahmen jedoch nur, wenn innerhalb eines Zyklus das Blut dreimal untersucht wird: In der Mitte der ersten Hälfte, zur geschätzten Eisprungzeit und in der Mitte der zweiten Hälfte. Nur so lässt sich ein kompletter Hormonstatus erstellen.
Der Basishormonstatus sollte am Morgen des 3. Zyklustages erfolgen. Er beinhaltet die Hormone Prolaktin, LH, FSH, Östradiol, Progesteron, Testosteron, DHEAS, FT3, FT4 und TSH. Zur Eisprungzeit: Östradiol, LH und Progesteron. Die dritte Progesteronkontrolle um den 21. Tag wird entweder den stattgefundenen oder den ausgebliebenen Eisprung belegen.
Die Bioverfügbarkeit der Hormone im Körper kann auch im Speichel überprüft werden. Mittels der kontinuierlichen Abgabe von Speichelproben über einen Zyklus hinweg kann die komplette Ausschüttung von Östradiol und Progesteron beobachtet werden. Besonders für Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch ist dies eine dankbare Methode.
Zyklusharmonisierung
Ein probates Mittel bei praemenstruellen Beschwerden ist der Mönchspfeffer, da er gestagenisierende Eigenschaften besitzt. Er sollte, für mindestens drei bis sechs Monate, in Tabletten- oder Tropfenform eingenommen werden. Insbesondere für Frauen, die unter starkem Brustspannen leiden, hat sich das Präparat Mastodynon bewährt.
Bei einer Östrogendominanz ist der Einsatz von natürlichem Progesteron in Form einer Creme sinnvoll. Von einer Selbstmedikation ist hier jedoch abzuraten, da das Beschwerdebild und die Hormonsituation vorab geklärt sein sollten.
(Rosar: Natürliches Progesteron - Alternative bei Hormonproblemen. Natur & Heilen, München April 2003)
Soll die Hirnanhangdrüse aktiviert werden, um regelmäßige Zyklen mit Eisprung zu erhalten, können Moorbäder nützlich sein. Günstig ist eine Kuranwendung zwischen den Blutungen, etwa zwei- bis dreimal in der Woche. Diese Kur erhöht die Körpertemperatur um ein Grad Celsius. Moorbäder sind in Apotheken erhältlich.
Auch hier sollte aber im Vorfeld die Ursache für Zyklusunregelmäßigkeiten geklärt sein.
Um den natürlichen, allmonatlich wiederkehrenden Hormonablauf zu unterstützen, können auch Kräutertees eingesetzt werden.
Für die erste Zyklushälfte (jeweils 40g):
Für die zweite Zyklushälfte (jeweils 40g):
Zubereitung: Einen Esslöffel mit 200 ml Wasser heiß überbrühen, 10 - 15 Minuten ziehen lassen und täglich drei Tassen trinken. Zur Aktivierung der Eierstöcke kann lokal auch ein Massageöl eingesetzt werden: Wie bereits erwähnt sind Ratschläge ohne ganzheitliche Betrachtung und Ursachenforschung oft nicht sinnvoll. Eine therapeutische Begleitung kann den Wegbeginn der Selbsthilfe erleichtern. Verena Rosar
|
